Lübeck, 4. Juni 2024

Baufertigstellungen rückläufig

 Thomas Klempau, DMB Mieterverein Lübeck

Laut Statistikamt Nord sind im Jahr 2023 lediglich 603 Wohnungen in Lübeck fertig gestellt worden, nachdem es 888 Einheiten im Jahr 2022 und sogar 1.035 Einheiten im Jahr 2020 gewesen sind. In Anbetracht einer stetigen Bevölkerungszunahme (Statistische Nachrichten Hansestadt Lübeck Q3 2023) und eines seit Jahren stark angespannten Lübecker Wohnungsmarktes ist es fatal, sofern sich die Baufertigstellungen rückläufig entwickeln, wobei auch die abgegangenen Wohneinheiten zu betrachten sind, um das wirkliche Ausmaß der diametral gegenläufigen Entwicklung statistisch erkennen zu können.

Die Wohnungsnot ist inzwischen zu einer verstetigten sozialen Wirklichkeit geworden. Es bestehen erhebliche Zugangsprobleme zu leistbarem Wohnraum bei Miete und Eigentum in sämtlichen Preis-, Größen und Wohnformsegmenten, wobei sich die Situation für Haushalte mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten sowie auf Wohnungsmärkten in Universitätsstädten und touristischen Hochburgen noch einmal deutlich schwieriger darstellt. Weitere Wohnraumknappheiten bedeuten für Haushalte, die ein Dach über dem Kopf benötigen, unzählige Bewerbungen, lange Wartezeiten, horrende Angebotsmieten, unausgewogene Mietvertragsgestaltungen, ungewollte Zwischenumzüge in teure Notlösungen und ähnliche Dinge. Immer mehr Menschen machen die Erfahrung und berichten darüber in unseren Beratungen, dass sie nahezu chancenlos bei der Wohnraumsuche sind oder dass sie damit umgehen müssen, fast die Hälfte ihres Einkommens für die Wohnkosten auszugeben. Dieses bedeutet nicht nur Frustration und soziale Härte für den Einzelnen, sondern birgt auch gesellschaftspolitisches Konfliktpotential.

Bund, Land und Kommune sind als zentrale Akteure in der Wohnungspolitik gefordert, durch eine entsprechend ausgerichtete Bau-, Liegenschafts- und Förderpolitik einen wesentlichen Beitrag zu einer sozial ausgerichteten Wohnraumversorgung zu leisten. Darüber hinaus wäre es hilfreich, sofern sich private, öffentliche und kirchliche Arbeitgeber im Bereich der Wohnraumschaffung auf breiter Front engagieren und ihren Beschäftigten zusätzlich zum Arbeitsplatz eine Unterkunft anbieten würden. Die Vorteile für beide Seiten liegen auf der Hand und auch die mittelbaren Effekte wären positiv und in der Masse geeignet, die Wohnungsmärkte ein stückweit zu entlasten. Die Schaffung von Wohnraum für Mitarbeiter ist zwar nicht originäre Aufgabe von Unternehmen, wäre jedoch ganz sicher keine schlechte Investition in Personal und Sachwerte. Kommunale Steuerungsmöglichkeiten bestünden bei der Erschließung von regelmäßig hoch nachgefragten Gewerbeflächen, wo man – ähnlich wie bei Stellplatzschlüsseln – die Herrichtung von Mitarbeiterwohnungen in die Vergabebedingungen einbauen könnte und auch mit zielgenauen Abschreibungs- und Fördermodellen können Anreize für Arbeitgeber geschaffen werden, sich in diesem Bereich zu engagieren.

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